DAX mit neuem Jahrestief - muss man Panik haben?

DAX mit neuem Jahrestief – muss man Panik haben?

Aktionäre und Trader wurden in dieser Woche ordentlich durchgeschüttelt. Knapp 5 Prozent verlor der DAX, ebenso viel der Dow Jones und die Technologiewerte sogar noch mehr. Mit neuem Jahrestief gelten zumindest die europäischen Indizes als angeschlagen. Muss man schon in Panik verfallen oder wie ist das Chartbild zu bewerten? Folgender Wochenausblick für die KW42 soll dazu Stellung beziehen.

 

Fazit einer schwachen Börsenwoche

Der Rutsch im DAX kam nicht aus heiterem Himmel. Eine Entscheidung darüber kündigte ich in der Vorwochenanalyse mit der Headline „An dieser Marke sollte sich der DAX entscheiden“ und folgendem Chartbild an:

 

DAX Chartbild aus Vorwoche mit Unterstützung
DAX Chartbild aus Vorwoche mit Unterstützung

 

Dies tat er sogar deutlich! Zum Handelsstart am Montag wurde die Linie bereits unterschritten und Marktteilnehmer orientierten sich folglich an der Unterseite in Richtung der runden 12.000er-Region. Dort ergaben sich zumindest kurzfristige Trading-Chancen, die man auch lebhaft im Forum diskutierte:

 

Trading im DAX nach Bruch der Unterstützung
Trading im DAX nach Bruch der Unterstützung

 

Für mehr als eine Gegenbewegung waren die Bullen jedoch nicht zu begeistern. Die 12.000 fiel und mit ihr einige Hoffnungen auf dort liegende günstige Einstiegskurse, denn sie sollten noch günstiger werden.  Schon am Dienstag erreichten sie den „Zielbereich“ des oberen Chartbildes. Dies sah dann im direkten Abgleich im Forum wie folgt aus:

 

Fazit nach dem DAX-Rutsch mit Abgleich der Analyse
Fazit nach dem DAX-Rutsch mit Abgleich der Analyse

 

Die dort erfolgte Gegenbewegung ab 11.803 Punkten war heftig, jedoch nicht nachhaltig. Am Mittwoch konnte die 12.000 erneut nicht erreicht werden und löste daher weitere Abgabebereitschaft aus. Mit 2,21 Prozent war dies der schwächste Börsentag der Handelswoche. Erst am Donnerstag kam mit mehr als 8 Milliarden Euro Umsatz auf XETRA noch einmal ordentlich Volumen in den Markt. Dies war bereits vorbörslich zu spüren. Hier stieg die Volatilität deutlich und Trading stand für mich vorrangig in dieser Trendrichtung an:

 

Trading im DAX in Momentum-Richtung
Trading im DAX in Momentum-Richtung

 

Damit entpuppte sich der Bereich um 12.500 Punkte als kurzfristiger Boden und lockte Schnäppchenjäger an. Das GAP auf der Oberseite zog im Handelsverlauf und zumindest die 11.700 konnte erneut kurz angelaufen werden. Dies war am Freitag noch einmal zu beobachten, nachdem wir überraschenderweise mit einem Up-GAP starteten. Dies änderte an der Trendrichtung der Handelswoche nichts mehr. Umgehend setzten Verkäufe ein und brachten bis Mittag den Markt zurück auf das Niveau vom Vorabend:

 

Gewinne und GAP im DAX schnell abverkauft
Gewinne und GAP im DAX schnell abverkauft

 

Das GAP auf der Unterseite lockt scheinbar, erster Stopp ist vielleicht die 11.575 nun.

Begleitet wurde diese Bewegung von immer wieder auftretenden kurzfristigen Trading-Chancen. Letztlich wurde das Up-GAP komplett geschlossen, ebenso das teilweise bis 500 Punkte reichende GAP im Dow Jones. Darauf blicken wir kurz im Einschub.

 

Wall Street löst Schwäche aus

Auslöser für den Kursrutsch in dieser Woche war vor allem die Wall Street. Dort sprangen die Anleihekurse massiv an und sorgten für Umschichtungen. Diese erhöhte Volatilität sah man bereits zum Wochenauftakt. Für das Trading ergaben sich dabei sehr gute Chancen, die man entsprechend mit Stopps immer absichern sollte. Doch wenn ein Trade läuft, dann läuft er…wie ich gerne auf meinem Facebook-Kanal zeige:

 

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Letztlich vollzog sich der Druck massiv über den Anleihemarkt hin zum Aktienmarkt. Das Siebenjahreshoch der 10-jährigen US-Anleihen (darüber berichtete u.a. das Handelsblatt) überschritt die 3,2%-Marke und bot damit in Kombination mit den steigenden Leitzinsen der USA eine zunehmende Alternative zum Aktienmarkt.

 

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Von dort wurde folglich Geld abgezogen und in Anleihen investiert. Die Folge war ein extrem schwacher Dow Jones, welcher teilweise 600 Punkte verlor und als Korrektur der Bewegung auch wieder gewann. So entstand beispielsweise von Donnerstag auf Freitag ein GAP von 500 Punkten, welches im Handelsverlauf jedoch geschlossen wurde. Der Stundenchart zeigt diese sehr volatile Bewegung im „Endloskontrakt“ deutlich an:

Dow Jones baut GAP komplett ab
Dow Jones baut GAP komplett ab

 

Damit hat sich der Abstand zum Allzeithoch auf rund 6 Prozent erhöht. Diesen Punkt sahen wir erst vor zwei Wochen. Im Tageschart ist der Abschwung daher heftig und beträgt in der Spanne rund 2.000 Punkte:

 

Spanne des Abschwungs im Dow Jones
Spanne des Abschwungs im Dow Jones

 

Der mittelfristige Aufwärtstrend ist dadurch deutlich gebrochen worden. Im Langfristchart ist noch keine Panik angesagt, da wir hier „erst“ auf dem Niveau der Sommermonate notieren. Auch dies zeigt der Tageschart mit etwas mehr Freiraum in der Zeitachse auf:

Langfristchart des Dow Jones
Langfristchart des Dow Jones

Deutlich negativer schaut der Deutsche Aktienindex aus, den ich folgend im Ausblick näher betrachte.

 

DAX-Chartanalyse für mein Trading in der  KW42

Legt man im DAX ebenfalls den Tageschart und das Allzeithoch an, sieht man die deutlichen Unterschiede. Er notiert aktuell 15% unter seinem Allzeithoch und ist weit weg von einer Aufwärtstrendlinie. Schlimmer noch – der DAX ist sogar weit unter seiner Abwärtstrendlinie (hier im Endloskontrakt dargestellt):

 

Abwärtstrends im DAX Tageschart
Abwärtstrends im DAX Tageschart

 

Kurzfristig ist hier sicherlich mit einer Gegenbewegung zu rechnen. Diese würde ich bis in den Bereich 11.770 bis 11.900 Punkte verankern. In diesem Bereich lagen die Tiefs aus dem Monat Februar und der „Dip“ Anfang September.

Eingezeichnet in das vorherige Chartbild ist der Bereich gut zu erkennen:

 

DAX-Chance auf Gegenbewegung
DAX-Chance auf Gegenbewegung

 

Solange der DAX sich nicht über diesem Bereich etablieren kann, ist das Momentum weiterhin auf der Unterseite zu suchen. Erst ein Überschreiten der 12.000, und damit das „egalisieren“ der vergangenen vier Handelstage, wäre ein mittelfristiges Signal, bis zum gezeigten Abwärtstrend zu laufen. Dieser könnte dann schon auf die eingangs gezeigte und in den Vorwochen immer wieder dargestellte Linie um 12.120 Punkte treffen – ein spannender Bereich, den ich zu gegebener Zeit gerne noch einmal in den Vordergrund stellen werde.

Orientierung sucht man im aktuellen Umfeld vorrangig auf der Unterseite. Um dort entsprechende Unterstützungen herauszuarbeiten, bedarf es einem sehr langfristigen Zeitrahmen. Denn wir notieren aktuell auf Jahrestief! Nach dieser Handelswoche steht der Oktober mit 5,9 Prozent im roten Bereich und könnte den Februar, welcher auf 6 Prozent Verlust kam, noch ablösen. Im laufenden Jahr summieren sich die Verluste nun bereits auf mehr als 10 Prozent. Ein Wert, der bedenklich stimmt, aber noch weit weg von einer Panik ist.

Mit den Tiefs dieser Woche im Endloskontrakt (also vor- und nachbörsliche Kursstellungen) ist selbiger Bereich erst im Chartbild des Jahres 2016 zu finden. Er ist nicht massiv, könnte aber trotzdem ein wenig Unterstützung bieten. Gerade nach den herben Abschlägen der vergangenen Handelstage. Von daher stelle ich hier den Zweijahreschart ein:

 

Nächste Unterstützung im DAX-Chartbild
Nächste Unterstützung im DAX-Chartbild

 

Beide Zonen bilden für mich somit in der Kalenderwoche 42 die grobe Orientierung. Auf der Oberseite die 11.770 bis 11.900 und auf der Unterseite die 11.450 bis 11.520. Ein Ausbruch darunter würde die Dynamik und das Momentum noch einmal verstärken, doch vielleicht leitet hier die Wall Street nach dem unruhigen Handel der Vorwoche ein wenig Ruhe ein.

 

Für Impulse sollten Sie am Montag auf die Einzelhandelsdaten der USA um 14.30 Uhr achten und ab Mittwoch den EU-Brexit-Gipfel im Auge behalten. Behalten Sie ebenfalls Ihr Risikomanagement gerade bei erhöhter Volatilität bei und kommen Sie gut durch die neue Handelswoche.

 

Ihr Andreas Mueller (Bernecker1977)

 

 

Risikohinweis: Der Handel mit Finanzprodukten ist risikoreich. Sie können Ihr eingesetztes Kapital verlieren. Diese Analyse ist keine Handelsempfehlung und enthält lediglich unverbindliche Analysen und Prognosen zu den gegenwärtigen und zukünftigen Marktverhältnissen. Sämtliche in dieser Publikation getroffenen Angaben dienen der Information. Sie dürfen nicht als Angebot oder Empfehlung für Anlageentscheidungen verstanden werden.