Scalping mit Knockouts

Scalping mit Knockouts

Scalping mit Hebelzertifikaten aus der Obergruppe der Derivate wird im Bereich Daytrading häufig mit den so genannten Knockouts (Abkürzung für Knock-out-Hebelzertifikate) vollzogen. Unter dieser Bezeichnung sind alle Produkte subsumiert, welche sich in der Preisfestsetzung 1:1 an der Veränderung des Basiswertes orientieren. Das folgende Beispiel bezieht sich auf das Scalping im DAX.

Knockouts auf den DAX bilden somit die Notierung des Deutschen Aktienindex ab. Durch das Bezugsverhältnis von 0,01 verändert sich der Preis dieses Instrumentes um 1 Cent bei einer Bewegung des DAX um 1 Punkt. Notiert also der DAX bei 5.800 Punkten, entspricht dies einem Kurs von 3,00 Euro im 5.500-Knockout-Zertifikat (Differenz Kurs zu Basispreis). Steigt der DAX um 10 Punkte auf 5.810 ergibt dies einen Anstieg im Knockout von 10 x 0,01 = 10 Cent auf folglich 3,10 Euro. Der Trader partizipiert dabei von der Wertentwicklung des Basiswertes direkt und benötigt dafür nur einen geringen Kapitaleinsatz. Aus diesem Verhältnis ergibt sich der Hebel auf das eingesetzte Kapital, welcher für diese Betrachtung allerdings keine Relevanz besitzt.

Scalping-Voraussetzungen

Für das Scalping mit Knockouts sind Realtime-Kurse des Basiswertes und des einzusetzenden Handelsinstrumentes unabdingbar. Da sich die Preisgestaltung auf den DAX-Future bezieht, ist dieser unser Signalgeber und somit Voraussetzung. Entweder wird dieser im Gesamtpaket des Brokers angeboten oder es muss ein entsprechendes Kursabonnement abgeschlossen werden. Interactive Brokers bietet beispielsweise einige europäische Index-Futures (DAX, Eurostoxx, Bund) für 8 Euro pro Monat an. Ein Direct Market Access (DMA) von einem CFD-Anbieter kann diese Funktion ebenfalls erfüllen. Als nächstes bedarf es einer Broker-Anbindung für den Direkthandel mit einem Emittenten. Hierbei gibt es gravierende Unterschiede und Präferenzen, welche unter anderem im Artikel Brokerwahl vor dem Handel bereits aufgezeigt wurden.

Verwirrend ist oftmals die Bezeichnung der Produkte, welche ich alle unter Knockouts subsumiere. Ob die Deutsche Bank das Produkt „Wave“, die Commerzbank es „Turbo“ oder die Bank Vontobel dies „Mini-Future“ nennt, objektiv handelt es sich im Wesentlichen um identische Produkte.
Ist die Entscheidung für ein Produkt und einen Emittenten vollzogen und der außerbörsliche Handel über den Broker aktiviert, gilt es innerhalb eines Handelstages die volatilsten Zeiten zu bestimmen. Diese sind in der Regel einige Minuten vor und nach volkswirtschaftlichen Terminen, Notenbanksitzungen und während der Rede des US-Notenbankchefs. Ohne diese erforderliche Volatilität ist folgendes Vorgehen nicht als Scalping, sondern höchstens als Positions-Trading oder Swing-Trading zu bezeichnen.

Vorgehen im Scalping

Durch die Beobachtung von DAX-Future und dem Preis des Knockouts ist schnell ein Gefühl für den „richtigen“ Kurs hergestellt. Für unser Beispiel ist somit bekannt, dass der Knockout 3,00 Euro kostet, wenn der DAX-Future bei 5.800 Punkten notiert. Eine Push-Liste mit Selbstaktualisierung der Notierungen erleichtert dies. Sobald der Markt in Folge von News steigende Volatilität aufweist, beginnen die Kursaktualisierungen dort stark zu schwanken. An dieser Stelle ist eine schnelle Reaktion nötig. Während eine Kursanfrage bei dem Broker nur wenige Sekunden Zeit zum akzeptieren lässt, beobachten wir die Reaktion des DAX-Future innerhalb dieses Zeitfensters. Bewegt dieser sich in „unsere“ Richtung bestätigen wir die Kaufanfrage und bekommen den Knockout in das Depot gebucht. In unserem Beispiel wäre dies der Fall, wenn der DAX-Future auf 5.805 Punkte springt und wir die Kaufanfrage für 3,00 Euro noch aktiviert haben. Der Kauf erfolgt zu 3,00 Euro anstatt eine erneute Kaufanfrage zur Notierung in der Push-Liste für 3,05 Euro zu starten – das ist logisch und legitim. Umgehend muss der Knockout wieder in der Broker-Maske zum Verkauf gestellt und als solcher angefragt werden. Durch den produktspezifischen Spread (Differenz Kaufpreis zu Verkaufspreis) von 2 Punkten (Abweichungen in Abhängigkeit des Produktes) zeigt der Broker bei unverändertem DAX-Future von 5.805 Punkten genau 3, 03 Euro an. Bei sofortiger Verkaufsbestätigung ergibt sich somit ein Scalping-Gewinn von 3 Cent.

Klingt dies minimalistisch? Wohl kaum, denn niemand handelt nur einen einzigen Knockout für 3,00 Euro, sondern vielleicht 3.000 Stück für eine Gesamtsumme von 9.000 Euro. In diesem Fall ist dies ein Scalping-Gewinn von 3.000 x 3 Cent = 90 Euro. Mit Sicherheit kein schlechter Verdienst für wenige Sekunden Konzentration!

Scalping im Gewinn ausreizen

Das Prinzip ist vermittelt und mehrfach am Tag an den unterschiedlichsten Märkten anwendbar. Nicht nur zu festen Terminen entsteht Bewegung, sondern auch an markanten Punkten im Chart wie beispielsweise dem Vortageshoch, dem Vortagstief, den Pivot-Punkten oder auch an signifikanten Unterstützungen und Widerständen. Mit Hilfe des Orderbuches und der so genannten „Markttiefe“ ist sehr gut erkennbar, ob das Scalping an solchen Punkten als Trading-Ansatz anzuwenden ist. An einer anderen Stelle werde ich auf das Orderbuch-Scalping gesondert eingehen.

Für unser Beispiel liegt das folgende Ziel in der Erhöhung des Gewinnes. Verfüge ich bereits über einen Buchgewinn von den oben genannten 3 Cent, wird der Verkauf erst vollzogen, wenn der DAX-Future unter 5.804 Punkten notiert. Dann realisiere ich die vom Broker angebotenen 3,02 Euro als Verkaufspreis. Steigt der DAX-Future weiter, kann ich meinen Gewinn erhöhen. Zu beachten ist eine permanente Anfrage eines Verkaufspreises, um nicht selbst skalpiert zu werden. Mit einem Teilverkauf und/oder einem festen Stopp an der Börse (Stuttgart oder Frankfurt) sollte bei weiteren Buchgewinnen die Entspannungsphase eingeleitet und die Höhe des Gewinnes dem Markt überlassen werden.

Fazit zum Scalping mit Knockouts

Diese Trading-Variante erfordert eine hohe Konzentration und konsequente Umsetzung bei einer stabilen Broker-Verbindung. Vorkenntnisse zum Börsenhandel und zu den wirtschaftlichen Zusammenhängen sind nicht notwendig. Es werden nur Trades eingegangen, welche umgehend die Kosten und den Spread abdecken. Ein Verkauf erfolgt bei entsprechendem Gegensignal oder wird durch einen Stopp vollzogen.

Ich publizierte dies in den Jahren 2003 und 2004 permanent im Forum Optionsscheine auf wallstreet:online und fasste meine Erfahrungen unter Scalping – das schnelle Geld – ein reales Experiment zusammen.

Natürlich reagierten die Emittenten auf dieses Marktverhalten und setzten in volatilen Marktphasen die Kurse aus oder beschränkten die Stückzahlen stark, so dass ein Verkauf der eingegangenen Positionen nicht mehr im Sinne des Scalping erfolgen konnte und im schlimmsten Fall zu Verlusten führte. Dieser Umstand zwang mich zu anderen Handelsmethoden, welche ich unter Bernakademie vorstellen werde. Leider wurde diese Seite im Artikel Turbozock mit gezinkten Karten in „Die Welt“ nicht beleuchtet – der Trader bleibt in der Öffentlichkeit der Böse : – )

Bernecker1977 – Andreas Mueller

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