DAX und Dow in Richtung Jahrestief unterwegs

DAX und Dow in Richtung Jahrestief unterwegs

Der Weg führte in der Vorwoche nach unten. Dies geschah unter hohem Umsätzen und damit sehr nahe an die Februar-Tiefs heran. Auf breiter Front, also im DAX, dem Dow Jones, der Nasdaq und auch im Nikkei. Auf diese markante Marke möchte ich hiermit blicken und Sie für die Dynamik und ansteigende Volatilität nach dieser turbulenten Woche etwas sensibilisieren.

 

Woher kam die Kursschwäche?

Die Gründe sind schnell gefunden und erläutert. Punkt eins waren die Personaldebatten in der US-Regierung.

Personalkarussell US-Regierung

Die ständigen Neubesetzungen von Regierungsposten lassen die Wirtschaftsnation USA innen- und außenpolitisch nicht zur Ruhe kommen. Fast wöchentlich wird ein hochrangiger Minister oder Berater entlassen und muss ersetzt werden. Neuerdings geschieht dies formell betrachtet recht „schlank“ über Twitter. Wer also dort noch nicht registriert ist und regelmäßig die Tweets seines Chefs liest, könnte womöglich eines Tages vor einer verschlossenen Bürotür stehen und die eigene Kündigung verpasst haben. Aber dieser Gedanke nur am Rande 🙂

Ob die neuen Besetzungen hier für Ruhe sorgen, darf bezweifelt werden. Immerhin ist John Bolton als neuer „Nationaler Sicherheitsberater“ bereits aus seiner Vergangenheit als Hardliner bekannt. Die geopolitischen Risiken könnten mit ihm eher steigen. Erwähnt sei dabei nicht nur die aktuelle eher ruhende verbale Auseinandersetzung mit Nordkorea, sondern ebenso der Iran. Doch dies waren nicht alle Sandkörner im Getriebe des Wirtschaftskreislaufes der vergangenen Woche.

Handelskrieg voraus?

Wichtiger als die Regierungsstrukturierung ist für die Wirtschaft der sich verschärfende Handelskrieg zwischen den USA und, so muss man hier eigentlich sagen, der restlichen Welt. Erst bestanden die Ambitionen in Richtung Europa, nun ist doch China der Leidtragende. Oder am Ende niemand, weil es eine Hintertür in den Verhandlungen der Ausnahmen gibt?

Die USA hatte chinesische Produkte im Gegenwert von 60 Milliarden Dollar mit Strafzöllen belegt. China lässt dies natürlich nicht unkommentiert und reagierte prompt mit einer eigenen Liste möglicher Strafzölle auf US-Produkte. Dabei sind vorerst „nur“ Waren im Wert von 3 Milliarden Dollar aufgelistet. Jedoch könnte dies der Anfang weiterer Maßnahmen sein. Auf der Tonspur äußerte der chinesische Botschafter in den USA (Cui Tiankai): Ein Handelskrieg würde China „bis zum Ende ausfechten“. Die Spirale aus Strafzöllen und Produktverteuerungen für den Konsumenten könnte sich somit schnell und intensiv weiterdrehen. Das ist weder für das Konsumland USA gut, noch für die global vernetzten Unternehmen. Aus diesem Grund gerieten vor allem die globalen Player unter Druck.

US-Notenbank auf schmaler Gratwanderung

Eine weitere Bremse könnte von der Notenbank in den USA ausgelöst werden. Erst am Mittwoch wurde erneut der Leitzins angehoben. Soweit läuft alles nach Plan, doch mit Blick auf die womöglich sich verlangsamende Konjunktur verstärkt dieser Plan womöglich das Wachstum. Marktteilnehmer flüchteten daher in andere Assetklassen. So verzeichnete die japanische Währung YEN den höchsten Stand seit der US-Präsidentschaftswahl 2016 und auch der Goldpreis zog wieder an. Auch die Anleihen geben Warnsignale, wie man bereits im Artikel zu den High Yields lesen konnte.

Vertrauensverlust bei Big Playern

Ist Facebook nur „ein aktiennotiertes Unternehmen“ oder steht es symbolisch für einen Wandel in der Gesellschaft? Diese Frage müssen wir uns alle stellen, da ich denke, in diesem Netzwerk ist zumindest die Mehrheit von uns aktiv. Ich selbst schreibe täglich auf Facebook meine Gedanken zum Markt nieder und interagiere mit anderen Menschen. Wenn die Daten jedoch unerlaubt für andere Zwecke verwendet werden, hört bei vielen Nutzern die Freude an der „Community“ auf. Jeder zweite Deutsche dachte bereits über eine Abmeldung nach, resümiert das Meinungsforschungsinstituts Emnid für den „Focus“ und ist in diversen Medien (wie hier auf n-tv) nachzulesen. Es geht hierbei im aktuellen Kontext um 50 Millionen Profile. Bei mehr als 2 Milliarden Nutzern ist das nicht viel, aber der Fakt alleine genügt für ein Misstrauen. Dies spiegelt sich auch im Aktienkurs wider, welcher deutlich unter Druck geriet.

Chart Facebook 3 Jahre
Chart Facebook 3 Jahre

Der Durchbruch einiger Trendlinien muss hier aus Sicht der Charttechnik sehr skeptisch beurteilt werden. Ebenso wie das Signal, was aus diesem Skandal hervorgeht und weitere Kreise im Nutzerverhalten ziehen könnte. Prominentes und mit der Wirtschaft eng verbundenes Beispiel ist der Unternehmer und Multimillionär Elon Musk. Er löschte nach diesem Skandal alle Facebook-Auftritte von Tesla und SpaceX.

Zu den Big-Playern im DAX zählt die Deutsche Bank. Dazu am Ende des Artikels noch ein Hinweis. Nun zu den Indizes im Chartblick.

 

DAX und Dow Jones an den Februar-Tiefs

Allein in der vergangenen Wochen fiel der Dow Jones um 5,67 Prozent und der DAX um 4,06 Prozent. Damit sind die Tiefs aus dem Februar, als es zu einem fast schon panischen Ausverkauf kam, sehr nah gerückt. Es war noch vor wenigen Wochen vom „Schwarzen Montag 2018“ die Rede – lesen Sie dies gerne hier nach. Der Wochenverlust war damit so groß wie seit zwei Jahren nicht mehr! Denn trotz des Schwarzen Montags 2018 hatte die erste Februarwoche Erholungstendenzen. Dafür fehlte in der aktuellen Woche wohl einfach die Zeit.

Dow Jones nahe den Februar-Tiefs

Schauen wir auf den Dow Jones im 4-Stundenchart, ist das Tief aus dem Februar nur noch rund 200 Punkte oder ein Prozent entfernt:

Abstand Dow Jones Februartiefs: Tageschart
Abstand Dow Jones Februartiefs: Tageschart

Charttechnisch ist dies erst einmal ein Unterstützungslevel, was nun angelaufen wird und zeigen muss, ob das Wort „Unterstützung“ dem gerecht werden kann. Als Anleger kann man davon ausgehen, dass hier eine Menge Orders liegen und darunter entsprechend viele Stopps. Ob sich der „Schwarze Montag 2018“ wiederholen wird, hatte ich in dem verlinkten Artikel bereits ausgeführt. In Kurzform hier noch einmal: JA, das ist jederzeit möglich und nicht an einen Montag oder Freitag gekoppelt.

DAX bereits im Bärenmarkt

Unser DAX ist hier einmal mehr zaghafter und tendiert schon schwächer. Nicht im direkten Wochenvergleich, wie eingangs aufgezeigt, aber doch im Tageschart und somit auch hier im direkten Vergleich im 4-Stundenchart:

Chartanalyse: Abstand DAX zu Februartiefs
Chartanalyse: Abstand DAX zu Februartiefs

Dies war jedoch der direkte Vergleich über die Handelszeiten, als DAX-Future (8 bis 22 Uhr). Vertiefen Sie den Unterschied bitte im entsprechenden Wissensartikel zu den Handelszeiten im DAX.

 

Auf Basis der XETRA-Kurse waren wir bereits tiefer und stehen auch jetzt das zweite Mal unter dem Februar-Tief. Grund dafür ist die Zeitverschiebung. Der „Schwarze Montag 2018“ ereignete sich vielmehr am Abend, als das XETRA-Handelssystem bereits geschlossen war. Auch gestern setzte die größere Bewegung an der Wall Street erst nach 18 Uhr ein. Der DAX-Stand um 22 Uhr (Future oder Indikation) liegt damit noch einmal rund 100 Punkte unter dem XETRA-Kurs. Von daher muss man auch diese Handelszeit noch einmal genauer und losgelöst von der anderen Zeiteinheit analysieren:

Abstand DAX Xetra Februar-Tiefs
Abstand DAX Xetra Februar-Tiefs

 

Bei diesem Chartbild ist also das Tief aus Ende Februar maßgeblich, um eine Orientierung an die Marktteilnehmer zu spiegeln.

 

Sorgt ein schwacher Wochenausklang für weiteren Abgabedruck?

Als Charttechniker muss man erst einmal nach dem Motto verfahren „kaufe die Unterstützung“. Bedenken Sie hierbei aber, wie dynamisch und volatil aktuell die Bewegungen ablaufen und wie abhängig sie von politischen Entscheidungen sind. Ein enger Stopp ist bei diesem „Griff in das fallende Messer“ unbedingt notwendig! Und ein Umdenken, wenn die Unterstützung nicht halten sollte. Denn dort liegen wie erwähnt oftmals massive Stopp-Orders und könnten hier zu weiterem Momentum auf der Unterseite führen.

Wie versprochen ein Verweis zu einem DAX-Wert. Die Deutsche Bank wurde hier bereits am Donnerstag kritisch analysiert und ist weiterhin stark absturzgefährdet. Solche Einzelwerte können daher den ganzen Index mit in einen Abwärtstrend ziehen – lesen Sie „Neue Tiefs denkbar“ bitte als Ergänzung.

Ich selbst werde im Daytrading diese Marken genauer ausarbeiten und im Chart einblenden. Doch dazu dann in der Sonntagsanalyse morgen hier etwas ausführlicher.

Mit dieser Zusammenfassung möchte ich für Sie erst einmal nach der turbulenten Handelswoche einen kleinen Überblick geben und ein angenehmes Wochenende wünschen.

Ihr Andreas Mueller (Bernecker1977)

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